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Hoffentlich passiert mir jetzt nichts Peinliches

Autorenbild: Nadine Gander
Nadine Gander
25. Sept.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Okt.

Das war mein erster Gedanke, als mein Name aufgerufen wurde.
Nicht Stolz. Nicht Rührung. Nur der Wunsch, die paar Schritte nach vorne hinter mich zu bringen, ohne dass etwas passiert. Alle schauen. Bloss nicht stolpern.

Ich stand da im blauen Kleid und in silbernen Turnschuhen. Darin fühle ich mich wie ich selbst. In der einen Hand eine Rose, in der anderen das Diplom.

Angefangen hat es 2023
Meine erste Coaching-Weiterbildung habe ich 2020 gemacht. Als ich 2023 die Ausbildung zur Betrieblichen Mentorin mit eidg. Fachausweis begann, fing auch etwas anderes an. Ich habe angefangen, mich selbst zu hinterfragen. Jedes Werkzeug, das ich gelernt habe, habe ich zuerst an mir erlebt. Wir haben in der Klasse aneinander geübt, und mein eigener Prozess lief dabei die ganze Zeit mit. Ich habe nicht über Menschen gelernt. Ich war das Übungsfeld.

Dann kam die Unterbrechung
Die Ausbildung dauert anderthalb Jahre. Bei mir hat sie länger gedauert.
Mittendrin bin ich selbst an einen Punkt gekommen, an dem nichts mehr ging. Ich habe die schulische Ausbildung gerade zu Ende gebracht und mir dann eine Pause gegeben. Ein Jahr später bin ich zur eidgenössischen Prüfung gegangen und habe im ersten Anlauf bestanden.
Rückblickend war genau die Pause der Teil, der am meisten gebracht hat. Ich habe über Erschöpfung nicht gelesen. Ich steckte mittendrin, während ich zwanzig Begleitungen fertig dokumentieren und reflektieren musste. Und für die Abschlussarbeit durfte ich über Nervensystem und Burnout schreiben. Ich konnte mich genau mit der Theorie auseinandersetzen, die mich selbst betraf. So liess sich Erlebtes besser einordnen, und gleichzeitig habe ich erfahren, was Theorie im realen Leben bedeutet.

Die Feier
Ich hatte mit langen Reden gerechnet, die mit dem Thema wenig zu tun haben. Das kannte ich von meinem ersten Fachausweis als Detailhandelsspezialistin.
Es kam anders. Sie haben die Feier an das angelehnt, was eine betriebliche Mentorin tatsächlich tut, und Musik einbezogen. Das hat mich überrascht, und es hat mich berührt.

Schwarz auf weiss
Jetzt halte ich das Diplom in den Händen, physisch, auf Papier. Was ich vor allem spüre, ist Erleichterung, denn es ist abgeschlossen. Nicht fast, nicht bald, sondern abgeschlossen.
Ein intensiver Weg geht zu Ende. Doch was heisst zu Ende? Wer einmal begonnen hat, sich bewusst mit sich auseinanderzusetzen, hört nicht so schnell wieder auf. Ganz nach dem Sprichwort: Das einzig Stetige ist die Veränderung. Seit dem Beginn meiner Ausbildung hat sich einiges bewegt, und ich bin gespannt, was noch kommt.

Was sich verändert hat
Wenn ich zurückschaue, kann ich mich kaum erinnern, wie ich vorher war. Aber ich merke den Unterschied im Alltag. Ich kann Gefühle in Worte fassen. Früher konnte ich das nicht.
Ich mache häufiger bewusste Pausen, bevor ich etwas sage. Ich höre besser zu. Ich kann Raum geben und ihn halten, auch wenn niemand spricht.
Und ich merke inzwischen deutlich, wenn ich mich in einer Situation nicht wohl fühle.
Nichts davon steht auf dem Diplom. Aber es ist das und noch viel mehr, was ich mitnehme.

Und jetzt
Seit dem 1. Oktober darf ich den Titelzusatz Professional Bachelor führen. Der Abschluss bleibt derselbe, er wird nur international lesbarer.
Wichtiger ist etwas anderes: Ich habe jetzt den Kopf frei für das, was schon begonnen hat. Die Ausbildung zur Sozialpädagogin HF und die zur pferdegestützten Therapeutin.
Vieles davon baut auf dem auf, was ich in diesen Jahren gelernt habe. Es geht weiterhin um Begleitung und um Menschen. Nur der Rahmen wird ein anderer.

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